Betriebsausgaben richtig dokumentieren
Welche Unterlagen du brauchst und wie du deine Belege systematisch organisierst …
Miete, Nebenkosten, Möbel und Einrichtung — so berechnest du deinen Anteil korrekt und spart Steuern.
Ob freiberuflich, selbstständig oder Angestellte mit Homeoffice-Option — immer mehr Menschen arbeiten ganz oder teilweise von zuhause aus. Das Finanzamt belohnt dich dafür: Mit einem Home-Office kannst du deine Arbeitsräume teilweise als Betriebsausgaben geltend machen. Die gute Nachricht ist, dass es zwei verschiedene Methoden gibt, und eine davon ist deutlich einfacher zu handhaben als die andere.
Wir zeigen dir beide Wege — von der vereinfachten Pauschale bis zur detaillierten Flächenberechnung. Dann entscheidest du, welche Methode für deine Situation die richtige ist.
Jede Methode hat ihre Vorteile — wähle die, die zu deiner Situation passt
Du nutzt pauschal 5 Euro pro Quadratmeter. Für einen 12 qm Raum bedeutet das 60 Euro monatlich oder 720 Euro pro Jahr. Keine Belege nötig, keine Rechenarbeit. Unkompliziert, aber auch niedrig.
Du berechnest deinen Anteil an Miete, Nebenkosten, Internet und sogar Möbeln prozentual. Ein 15 qm Büro in einer 80 qm Wohnung = 18,75%. Bei 1.200 Euro Miete kannst du 225 Euro monatlich absetzen. Aufwendiger, aber deutlich lukrativer.
Die Flächenmethode ist nicht kompliziert — nur strukturiert. Folge diesen fünf Schritten und du hast alles zusammen, was du brauchst.
Miss dein Arbeitszimmer oder den Bürobereich aus. Multipliziere Länge Breite. Notiere auch die Gesamtwohnfläche deiner Wohnung oder deines Hauses. Das Finanzamt braucht beide Zahlen — die genaue Messung ist wichtiger als ein Näherungswert.
Teile die Bürofläche durch die Gesamtwohnfläche und multipliziere mit 100. Beispiel: 15 qm 80 qm 100 = 18,75%. Das ist dein Kostenanteil — dieser Prozentsatz gilt für fast alle Posten.
Sammle deine jährlichen Ausgaben: Miete, Nebenkosten (Heizung, Wasser, Strom), Internetkosten, Versicherungen, Reparaturen und Reinigung. Für größere Anschaffungen wie Schreibtisch oder Regal (über 952 Euro brutto) brauchst du Rechnungen. Kleinere Möbel kannst du mit einem Pauschalbetrag schätzen.
Multipliziere deine Gesamtausgaben mit dem Prozentsatz aus Schritt 2. Beispiel: Jährliche Miete 14.400 Euro 18,75% = 2.700 Euro abzugsfähig. Mache das für jeden Kostenblock separat — das erleichtert die Übersicht und die Nachvollziehbarkeit.
Im Formular “Anlage EÜR” (für Freiberufler und Selbstständige) oder in der Anlage “N-EÜR” (für Angestellte) gibst du deine Betriebsausgaben an. Alle Belege müssen für mindestens 6 Jahre aufbewahrt werden — digital oder analog ist egal.
Speichere Rechnungen und Belege direkt digital — fotografier sie mit deinem Handy oder scanne sie ein. Ein einfacher Ordner nach Kategorien (Miete, Nebenkosten, Möbel) reicht vollkommen aus. Das spart dir später Stress und ist für Behörden nachvollziehbar.
Schreib dir auf, welche Belege du noch brauchst. Besonders bei Nebenkosten: Gasrechnung, Wasserrechnung, Müllgebühren — die kommen oft zu unterschiedlichen Zeiten. Eine einfache Excel-Tabelle hilft dir, nichts zu vergessen.
Viele Anbieter (Stromanbieter, Internetprovider) schicken Rechnungen als PDF per E-Mail. Speichere diese in einem separaten Ordner auf deinem Computer — mit Datum im Dateinamen. Das ist offiziell genauso anerkannt wie Papier.
Wenn du einen neuen Schreibtisch planst, kaufe ihn lieber noch im gleichen Jahr — dann kannst du ihn sofort absetzen. Im nächsten Jahr ist der steuerliche Vorteil verloren. Für Dinge über 952 Euro musst du die Rechnung aufbewahren.
Stellen wir uns vor, du arbeitest von einem 16 qm Zimmer aus. Deine Wohnung hat 85 qm. Dein Kostenanteil liegt also bei 18,8%.
Bei einem Steuersatz von 42% sparst du damit etwa 1.593 Euro Steuern pro Jahr. Das ist deutlich mehr als die 720 Euro mit der Pauschale. Und wenn du Freiberufler bist und zusätzlich die Gewerbesteuer sparst, wird es noch interessanter.
Beide Methoden sind völlig legal und vom Finanzamt anerkannt. Die Pauschale ist ideal, wenn du schnell und unkompliziert abrechnen möchtest — oder wenn dein Büro sehr klein ist und die Flächenberechnung keinen großen Vorteil bringt. Die Flächenmethode lohnt sich, wenn du ein größeres Zimmer nutzt oder deine Wohnung teuer ist.
Der wichtigste Tipp: Beginne von Tag eins mit der Dokumentation. Es ist frustrierend, wenn du im nächsten Jahr nicht mehr weißt, was eine alte Rechnung war. Ein paar Minuten monatliche Organisation sparen dir später Stunden und potenzielle Nachfragen vom Finanzamt.
Wenn du unsicher bist, sprich mit einem Steuerberater — die erste Beratung ist oft kostenlos. Die Investition lohnt sich, wenn du damit hunderte Euro mehr absetzen kannst.
Pro-Tipp: Viele Steuerberater bieten jetzt digitale Beratung an. Du kannst deine Belege fotografieren und hochladen — das ist oft günstiger und schneller als ein Vor-Ort-Termin.
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen zum Thema Home-Office-Kostenabzug. Es handelt sich nicht um Steuerberatung. Die Regelungen können sich ändern und sind abhängig von deiner individuellen Situation, deinem Einkommen und deiner Art der Tätigkeit. Für verbindliche Auskünfte wende dich bitte an einen qualifizierten Steuerberater oder an das Finanzamt. Alle Angaben sind ohne Gewähr.